Geistliches Wort

Timmendorfer Kirchenbote

Juli / August 2019 / Nr. 332

Abends, am Meer…

Abends, wenn es ruhiger wird am Meer, kommen die Angler. Mit Klapphockern, Eimern, Angelruten und Taschen. Sie holen Haken und Köder aus kleinen Schachteln, pfriemeln geschickt, bis alles passt, dann werfen sie die Angel aus. Der Schwimmer tanzt auf den Wellen. Die Angler lehnen am Geländer der Seebrücke und gucken. Sonst passiert nicht viel. Denn selten beißt ein Fisch an. Dazwischen Ruhe. Ein Bierchen. Oder auch zwei. Ein oder zwei Worte zum Nachbarn. Nicht mehr. Schweigen. Nur der Wind in den Ohren. Die Sonne ist hinter Wolken untergegangen. Der Himmel am Horizont ist rötlich. Das Wasser bewegt sich kaum. Die Angler auch nicht.

Wo gibt es denn sowas noch? Einfach rumstehen und gucken. Stundenlang. Ohne erkennbare Leidenschaft. Ohne unmittelbare Notwendigkeit. Haben sie nichts Besseres zu tun? Ist das nicht unglaublich langweilig? Offenbar nicht. Sie sind so frei. Sie lassen die Welt der hektischen Betriebsamkeit mit all ihren Wichtigkeiten hinter sich. Für ein paar Stunden gehören sie nur sich selbst. Paulus schreibt an die Galater: Brüder und Schwestern, ihr seid zur Freiheit berufen. Ob das die Angler gehört haben?

Herzliche Segenswünsche

Ihre Pastorin Katharina Gralla