Geistliches Wort

Trotz allem

Der Frühling ist gekommen. Trotz allem. Die Schwalben fliegen wieder. Es wird wärmer. Das Himmelsblau wird frühsommerlich. Es grünt und blüht. Die Tage werden länger. Wie jedes Jahr. Wie tröstlich, dass die Natur mit ihrer ganzen Kraft sich von Viren nicht beeindrucken lässt und weiterhin ihr Bestes gibt, um uns zu erfreuen. Und wirklich: Natur tröstet. Der Duft einer Pfingstrose, eine blühende Kastanie, das sanfte Rauschen der Brandung heilt angegriffene Seelen. Auch deshalb gibt es in der Bibel so viel Lobgesang auf die Schöpfung. Zwar macht sie Schwerkranke nicht gesund. Sie verhindert nicht die Not, die mit Arbeitslosigkeit und Insolvenzen einhergeht. Dazu braucht es ein gutes Gesundheitssystem, einen starken, sozialen Staat und viel Nächstenliebe im Alltag. Aber der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein. Wir brauchen Schönheit. Geradewenn die Zeiten hart und traurig sind. Gerade dannbrauchen wir Unterbrechungen. Das Läuten der Glocken, die uns erinnern, dass wir im gemeinsamen Gebet verbunden bleiben und Gott mitten unteruns ist und bleibt. Wir brauchen Zeiten, in denen wir alles vergessen, weil wir eine wunderbare Musik hören, weil die Hortensie im Garten so schön blüht, weil der Specht zuverlässig klopft oder die Fledermäuse in der Abenddämmerung elegant um den Kirchturm gleiten. Die Schönheit ins Herz zu lassen, stärkt die seelischen Abwehrkräfte. So wächst neue Kraft und Hoffnung, gemeinsam diese unsicheren Zeiten zu überstehen, bis ein Impfstoff dem Spuk ein Ende bereitet.

Herzlich grüßt

Ihre Strandpastorin Katharina Gralla