Geistliches Wort

Ev.-Luth. Kirchengemeinde Timmendorfer Strand

Timmendorfer Kirchenbote

Februar / März / April 2020 Nr. 335

Den Kontrast ERLEBEN

„Ein Leben ohne Feste ist wie ein langer Weg ohne Gasthäuser“, hat einmal ein altgriechischer Philosoph gesagt. Es ist gut, dass sich die Feiertage im Kirchenjahr nicht gleichen wie ein Ei dem anderen, sondern dass sie manchmal wie starke Kontraste sind. So nähern wir uns nun nach den Epiphanias-Sonntagen den besonderen Tagen der Passionszeit und des Osterfestes. Am 26. Februar ist Aschermittwoch, mit ihm beginnt die Passionszeit. Sie dauert 40 Tage, ohne die Sonntage, und war früher eine Fastenzeit; so konnten alle Hühnereier bis Ostern aufbewahrt werden. Wer möchte, kann an einem „Fasten“ in moderner Form teilnehmen, das sind die „7 Wochen ohne…“, in diesem Jahr „…ohne Pessimismus“. Der Palmsonntag eröffnet dann die Karwoche, die mit Gründonnerstag und Karfreitag besondere Akzente setzt. In der Nacht von Karsamstag zu Ostersonntag ereignet sich der Umbruch, mitten in der Osternacht: vom Dunkel zum Licht, von Schwarz zu Weiß, aus der Enge in die Weite, vom Tod zum Leben. Und in der Liedabfolge von „O Haupt voll Blut und Wunden“ zu „Christ ist erstanden“.

Es lohnt sich, diesen Umbruch, diesen Kontrast zu er-leben — außer in der Gottesdiensten auch zu Hause. Ich lege z.B. in der Karwoche schwarze Chiffontücher in Kreuzform auf den Couchtisch, darauf ein hölzernes Kruzifix. Am Karfreitagabend nehme ich das Kreuz weg und baue ein kleines Felsengrab auf, das ich mit einem runden Stein verschließe. Am Ostermorgen öffne ich das Grab, zünde ein Stövchenlicht an und stelle es hinein, manchmal auch eine Vase mit Narzissen daneben. Rundherum lege ich weiße Chiffontücher.

Das leere Grab, das leere Kreuz — nach Karfreitag wird es Ostern werden, das älteste und wichtigste unserer christlichen Feste. Nach einer intensiven Zeit der Trauer schenkt Gott uns Grund zu Hoffnung und Freude. So wie damals der Engel sagte: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten sucht. Er ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Mt 28,5)

Mit herzlichen Segenswünschen Ihre

Vertretungspastorin em.  Gisela Arp-Kaschel