Geistliches Wort

 

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde

Timmendorfer Strand

Timmendorfer Kirchenbote

Juli / August 2017 / Nr. 320

Möwengedanken

Am liebsten ist mir die Mantelmöwe mit ihrer dunklen Flügeldecke. Manchmal sehe ich ein Exemplar in der Lübecker Bucht. Es ist die größte Möwe, die es an der Ostsee gibt. Von einer Flügelspitze zur anderen misst sie eineinhalb Meter. Wenn dieser Raubvogel fliegt, ist das großes Kino. Jedenfalls wird es mir nie langweilig, einer Mantelmöwe zuzugucken. Wie sie sich mit ein paar kräftigen Schlägen in die Luft schwingt, dann die Flügel stillhält und beginnt zu segeln. Sie bewegt sich kaum, nutzt die Aufwinde und hält nach Beute Ausschau. Sie lässt sich tragen. Dann kippt ihr Körper plötzlich zur Seite, sie dreht ab und lässt sich fallen. Maximal ein Flügelschlag. Keine einzige überflüssige Bewegung. Hat sie Nahrung entdeckt, geht es im Sturzflug hinab. Zielsicher. Schnell. Elegant.

Was wäre, frage ich mich, wenn ich meine Energie und meine Aufmerksamkeit so aufs Wesentliche konzentrieren könnte? Wenn ich mehr auf die Kräfte vertrauen würde, die nicht meine sind und mich doch zum Ziel bringen? Wenn ich mich öfters mal tragen ließe?

Der Wind trägt die Möwe. Wind heißt im Hebräischen ruach. Es hat noch viele andere Bedeutungen. Geist und Atem zum Beispiel. Was ist mein Aufwind? Die Kraft, die mich trägt? Der lebendige Geist Gottes. Der Glaube an die tragende Kraft der Liebe, die ich nicht erkämpfen muss, weil Gott sie mir schenkt.

Ihre Strandpastorin Katharina Gralla